Forderungskataloge an die Kölner Politik
Sieben Forderungen und drei Wünsche an die Kölner Politik, 25.11.20001. Erstellung eines Gutachtens über die angebliche bundesweite 'Spitzenstellung' Kölns bei angezeigten Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigungen Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins 'Stern', der bundesweit Aufsehen
erregt hat, liegt Köln gemessen an der Einwohnerzahl bei den angezeigten
Sexualdelikten an erster Stelle. Wie es zu diesem traurigen Rekord kommt,
der nicht zuletzt das Ansehen der Stadt beschädigt, ist bislang von keiner
Seite ausreichend geklärt worden. Während der Sternbericht impliziert,
dass das Leben für Frauen in Köln gefährlicher sei als in anderen deutschen
Städten, kann es z.B. auch sein, dass Kölner Frauen Vergewaltigungen eher
anzeigen, als Frauen aus anderen Städten. 2. Genaue Differenzierung der Kriminalstatistik in Köln Die bestehende Kriminalstatistik der Kölner Polizei gibt keine verlässlichen Auskünfte über die Bandbreite der Übergriffe gegen Frauen im sozialen Nahbereich (Stichwort 'häusliche Gewalt'). Seit Jahren geben hier sehr hohe Zahlen Anlass zu Besorgnis. Möglichst genaue Informationen sind aber Voraussetzung für die Entwicklung wirkungsvoller Präventionsstrategien und Beratungsangebote. Auch bei anderen Aspekten wäre eine genauere Differenzierung wünschenswert. Wir fordern daher, dass künftig bei der Erstellung der Kriminalstatistik der Bereich 'Gewalt gegen Frauen' genauer als bisher differenziert wird (z.B. bei 'häuslicher Gewalt') - in Köln und bundesweit. 3. Weiterbildungspflicht für alle Berufsgruppen, die mit Betroffenen zu tun haben, insbesondere bei Polizei, Justiz und Erziehungseinrichtungen Wenn sich Frauen und Mädchen dazu entschließen, über Gewalttaten zu reden und/oder Anzeige zu erstatten, stoßen sie trotz verstärkter Anstrengungen noch immer auf einen Mangel an Sensibilität und Kompetenz. Dies führt bei den Betroffenen zu weiteren psychischen Verletzungen und hat insgesamt zur Folge, dass nur ein Bruchteil aller Delikte zur Anzeige gebracht wird und es in diesem Bereich eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Im Interesse aller Beteiligten muss ein verständnisvolles Klima geschaffen werden, das Vertrauen weckt statt Mißtrauen zu fördern. Die Kölner Kriminalpolizei hat in den letzten Jahren auf diesem Gebiet bereits viel unternommen, doch vor allem im Bereich der Strafverfolgung (bes. Richter- und Staatsanwaltschaft) muss für einen sensibles Umgehen mit den Betroffenen gesorgt werden. Wir fordern daher eine Weiterbildungspflicht für alle Berufsgruppen, die mit von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen zu tun haben. 4. Dauerhafte finanzielle Absicherung von Projekten zum Schutz und zur Beratung von Frauen mit Gewalterfahrungen Viele von Gewalt betroffene Frauen können zu Hause oder im Freundes- und Bekanntenkreis aus Angst stigmatisiert oder abgelehnt zu werden nicht über ihre traumatischen Erfahrungen reden und fühlen sich sozial isoliert. Es besteht daher ein großer Bedarf an Frauenberatungsstellen, die parteilich (d.h. die Bedürfnisse der betroffenen Frau stehen im Mittelpunkt der Bemühungen) mit Frauen und Mädchen arbeiten und sie unterstützen. Ein Netz von Hilfseinrichtungen ist erforderlich, die nicht nur Betroffene betreuen und beraten, sondern auch Angehörige unterstützen. Diese Präventions- und Beratungsarbeit muß finanziell langfristig gesichert sein. Wir fordern daher die dauerhafte finanzielle Absicherung von Anlaufstellen, die betroffene Frauen und Angehörige schützen, beraten und betreuen. 5. Präventive Maßnahmen bei der Stadtplanung Obwohl nur ca. ein Drittel der Übergriffe im sog. 'öffentlichen Raum' stattfindet, meiden viele Frauen bestimmte, als unsicher geltende Orte in Köln. Meist sind diese Orte schlecht beleuchtet, haben eine unübersichtliche Struktur oder sind menschenleer. Dass diese Orte - zu Recht - angstbesetzt sind, ist seit langem bekannt, es wurde aber bisher nicht darauf reagiert. Eine Umfrage bei der Veranstaltung im Gürzenich am 25.11. hat eine Reihe solcher 'Angsträume' in der Stadt ermittelt. Frauen meiden diese Orte z.T. auch tagsüber. Dies muss sich ändern. Wir fordern daher die Stadt Köln auf, das Frauenamt damit zu beauftragen, mit Hilfe von Expertinnen diese Räume zu untersuchen und Vorschläge zur Umgestaltung zu machen. Bei zukünftigen Planungen (z.B. Nord-Süd U-Bahn) sollen diese Erfahrungen genutzt werden. 6. Öffentliche Ausschreibung der Stelle der Leiterin des Frauenamts Das Kölner Frauenamt ist für alle in der Präventions- und Beratungsarbeit tätigen Gruppen eine wichtige Institution. Damit sich das Frauenamt auch in Zukunft wirkungsvoll für die Belange aller Frauen in dieser Stadt einsetzen kann, dürfen bei der Besetzung der freien Leitungsstelle parteipolitische Überlegungen keine Rolle spielen. Wir fordern daher eine öffentliche Ausschreibung der Stelle der Leiterin des Frauenamts. Dabei sollen ausschließlich fachliche Kriterien und nicht die Parteizugehörigkeit berücksichtigt werden. 7. Der 25. November soll sich als Aktionstag in Köln etablieren Zu den langfristigen Zielen der Kampagne zählt auch, dass sich der 25. November als regelmässiger Aktionstag gegen Gewalt an Frauen etablieren soll. Im kommenden Jahr soll an den diesjährigen Erfolg angeknüpft werden. Nur das fortgesetzte Auseinandersetzen mit dem Thema kann erreichen, daß u.a. die Inhalte der Ratsresolution vom 16.11.2000 auch in die Praxis umgesetzt werden und in Köln "ein Klima geschaffen wird, in dem Gewalt an Mädchen und Frauen geächtet wird" (Zitat aus der Resolution). Wir fordern daher, den 25.11. als Aktionstag gegen Gewalt an Frauen in Köln zu etablieren und die Arbeit des Aktionsbündnisses auch weiterhin zu unterstützen (z.B. durch Großanzeigen der Kölner Außenwerbung im November 2001). Forderungskatalog 2000 als PDF-Datei Drei Wünsche zur weiteren Präventionsarbeit in Köln 1.Einrichten einer Männerberatungsstelle In Köln gibt es momentan keine umfassende Anlaufstelle für Männer in Konfliktlagen (z.B. für Rat suchende Angehörige von betroffenen Frauen; Überlebende von Mißbrauch in der Kindheit; Opfer von Überfällen, Mobbing am Arbeitsplatz; Männer, die ihre Rolle in Frage stellen; gewalttätige Männer, usw.). Der Bedarf danach ist groß, wie die Erfahrungen im Arbeitsalltag einzelner Kölner Männerprojekte zeigen. Wünschenswert wäre daher das Einrichten und Finanzieren einer Männerberatungsstelle, die Hilfe suchenden Männern zur Seite steht. Diese Arbeit muß von sensibilisierten und geschulten Männern geleistet werden. · 2. Erweitern der Kampagne "Hinsehen, handeln, Hilfe holen. Kölner lassen keinen allein." Das Aktionsbündnis unterstützt diese Kampagne, würde es jedoch begrüßen, wenn in diesem Zusammenhang auch das Thema 'Gewalt gegen Frauen' gezielt angesprochen werden würde. Wir bieten gern unsere Hilfe an für ein Erweitern der Kampagne um den Punkt 'Gewalt gegen Frauen'. · 3. Aufruf an die Kölner Printmedien und die Werbewirtschaft richten. Auf der Podiumsdiskussion wurde von Vertreterinnen der Kölner Kriminalpolizei darum gebeten, Fahndungsaufrufe der Polizei (Täterbeschreibungen, Phantombilder etc.) sachlich richtig abzudrucken. Darüber hinaus wurden die Printmedien aufgefordert, das von ihnen in Texten und Bildern transportierte Frauenbild selbstkritisch zu überprüfen. Die Kölner Außenwerbung wurde in diesem Zusammenhang dazu aufgerufen, künftig keine Aufträge mit frauenfeindlichem Inhalt mehr anzunehmen. Forderungskatalog zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, 25.11.2004Sehr geehrte Damen und Herren, wie Sie sicherlich wissen, ist am 25. November der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Seit dem Jahr 2000, als Köln in der bundesweiten Kriminalstatistik die Spitzenstellung bei Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigungen einnahm, engagiert sich unser Bündnis gemeinsam mit Kölner PolitikerInnen, Prominenten und BürgerInnen, um auf vielfältige Weise über das Thema aufzuklären, Prävention zu betreiben und zu sensibilisieren. So haben beispielsweise sowohl Herr Schramma als auch Frau Spizig - zusammen mit vielen weiteren prominenten KölnerInnen - je ein Exponat zur Ausstellung Das Fräulein und der Stöckelschuh - die alltägliche Gewalt gegen Frauen'* beigesteuert. Die vier Bürger-meisterInnen haben in den vergangenen Jahren immer wieder die Schirmherrschaft für unsere Veranstaltungen - z.B. im Gürzenich und im KOMED - übernommen. Außerdem hat am 16.11.2000 der Rat der Stadt einstimmig eine Resolution gegen Männergewalt an Frauen beschlossen, in der u.a. zur Teilnahme an unserem Aktionstag aufgerufen wurde. Dieses Jahr haben wir als Resultat unserer bisherigen Arbeit und anlässlich der aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland einen Forderungskatalog für Köln entwickelt, den wir Ihnen hiermit übergeben möchten. Wir wünschen uns, dass die darin enthaltenen Punkte in der zukünftigen Kölner Politik berücksichtigt werden und sind jederzeit gerne bereit, Sie bei der praktischen Umsetzung zu unterstützen. Vielen Dank für Ihr Interesse, Irmgard Kopetzky *sie ist in diesem Jahr vom 23.11.-3.12. im Deutschen Städtetag, Lindenallee 13-17, zu sehen Anlagen: Forderungskatalog 2004 als PDF-Datei (379 KB) |