Unsere Aktivitäten - 2003

Schwerpunkt in 2003 waren diverse Aktionen rund um den 25.11., die unter dem Oberthema 'Gewalt beginnt früher' standen:

Wie geplant wurde in diesem Jahr die Pro-Bono-Kampagne in Zusammenarbeit mit der so. Agentur für Kommunikation (heute Brandrelation) durchgeführt. Hauptzielgruppe der Kampagne sollten Männer sein - Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen etc. von Tätern, ihre ‚peer group' also. Die Zielsetzung war, dass die Männer sich einmischen sollen, wenn ihnen im eigenen Umfeld Gewalt gegen Frauen auffällt.

Die Kampagne nannte sich 'Gewalt beginnt früher' und lief z.T. in Kooperation mit der so.agentur für kommunikation aus Ehrenfeld. Die Kampagne hatte verschiedene Bausteine:

Unter dem Titel ‚Gewalt beginnt früher' gab es vom 19.-26.11. eine große Artikelserie im EXPRESS, in der verschiedene Aspekte des Themas beleuchtet wurden. Die Zusammenarbeit wurde allgemein als gelungen bezeichnet. Besonders hervorzuheben ist, dass durch diese Serie eine ganz andere Zielgruppe als bisher mit dem Thema ‚Gewalt gegen Frauen' in Kontakt gebracht wurde.
Per Email kann eine fotokopierte Artikelserie abgerufen werden.

Vom 14.-28.11.2003 werden 28.000 Gratis-Postkarten an rund 280
Outlets in Köln verteilt (über Pick up/City Cards). Verwendet werden die beiden Motive, die die so.agentur für die aktuelle Kampagne entwickelt hat.
Gegen eine Gebühr von 2 € bekommen Sie die beiden Motive zugesendet.

Zum Vergrößern bitte auf die Bilder klicken:

   

Flankierend dazu wurden die beiden Ausstellungen des Bündnisses in städtischen Gebäuden mit viel Publikumsverkehr öffentlich gezeigt: ‚Das Fräulein und der Stöckelschuh - die alltägliche Gewalt gegen Frauen' war rechtsrheinisch von 19.11.-5.12. in Kooperation mit der Kölner Sozialdezernentin im Kalk-Karree zu sehen. ‚Mein Beitrag für Köln - eine Seite gegen Männergewalt an Mädchen und Frauen' wurde vom 18.11.-28.11. linksrheinisch im Haus Neuerburg ausgestellt.

Zum 25.11. wurde unsere Broschüre zum Jugendwettbewerb von 2001
'Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist voll daneben!'
herausgegeben und wird im Januar 2004 der Presse vorgestellt. Rund 300 Exemplare der Broschüre wurden im Anschluß kostenlos an Kölner Jugendeinrichtungen und Schulen verteilt, um die Pädagog/innen zu Präventionsmaßnahmen und -aktionen im Bereich 'Gewalt gegen Mädchen und Frauen' zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass es sich lohnt, dieses Thema mit den Jugendlichen zusammen anzugehen. Die Möglichkeit, die Broschüre kostenlos zu verteilen, haben wir durch eine Spende des Karnevalsvereins 'Erdmännchen' bekommen - vielen Dank dafür!
Die Broschüre: 'Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist voll daneben!' kann jetzt bei Books on Demand online bestellt werden.

Das Kölner Aktionsbündnis engagiert sich schon seit seiner Gründung gegen Gewalt gegen Frauen in der Werbung und hatte dazu beispielsweise beim Aktionstag im Jahr 2000 auch eine Vertreterin des Deutschen Werberates zur Podiumsdiskussion geladen. Auch im Forderungskatalog, der im Dezember 2000 an Kölner Presse und Politik übergeben wurde, ist der Verzicht auf sexistische Werbung in Köln enthalten. Irmgard Kopetzky, als Vertreterin des Aktionsbündnisses, nahm am Mittwoch, 19.2.2003 an einer Gesprächsrunde teil, die klären sollte, ob wir in Köln sexistische Werbung schon im Vorfeld verhindern können.
Eingeladen hatte die Bürgermeisterin Angela Spizig.
Presse-Mitteilung von Bürgermeisterin Angela Spizig

Ebenfalls im Februar 2003 hat das Aktionsbündnis einen offenen Brief an den Oberbürgermeister Fritz Schramma gerichtet, in dem es zu der geplanten Schließung des Frauenamts Stellung genommen hat.

Das Aktionsbündnis hat den öffentlichen Protest des Mädchenhauses gegen die Veranstaltung "Bundesliga-Jubiläum" unterstützt. Heinz Alenfelder, Mitglied des SprecherInnen-Rats des Aktionsbündnis hat in einer Email an den KStA zu dem Bericht über den den öffentlichen Protest Stellung genommen.

Die Ausstellung ‚Das Fräulein und der Stöckelschuh - die alltägliche Gewalt gegen Frauen', die in 2000 erarbeitet worden war, wurde auch in 2003 an Institutionen in anderen Städten verliehen. Sie wurde im Frühjahr komplett überarbeitet und renoviert, vor allem wurde die Anbringung der Exponate diebstahlsicherer konzipiert.

Auch die Ausstellung ‚Mein Beitrag für Köln - eine Seite gegen Männergewalt an Mädchen und Frauen' wurde auf Nachfrage verliehen. Sie ist besonders für Schulen und ähnliche Einrichtungen geeignet, die die Beiträge als Diskussionsgrundlage für die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema nutzen wollen.



Offener Brief an den Oberbürgermeister Fritz Schramma

Das Aktionsbündnis schickt einen offenen Brief an den Oberbürgermeister Fritz Schramma, die Fraktionen und die Presse.

Herrn
Oberbürgermeister
Fritz Schramma
Historisches Rathaus
50667 Köln
Köln, 28. Februar 2003

Offener Brief zur drohenden Schließung des Frauenamts


Sehr geehrter Herr Schramma,

wie Sie wissen, gibt es unseren Zusammenschluß aus Kölner Männern und Frauen, engagierten Gruppen und Einzelpersonen, seit August 2000. Auf verschiedenen Ebenen und mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen arbeiten wir in Köln an der Sensibilisierung für das Thema ‚Männergewalt gegen Mädchen und Frauen. Wir versuchen, die Verantwortung jedes/r Einzelnen aufzuzeigen.

Von Anfang an gab es dabei eine sehr fruchtbare Kooperation mit dem Kölner Frauenamt (seit kurzem Amt zu Gleichstellung von Frauen und Männern). Seit über 20 Jahren leisten die Mitarbeiterinnen des Frauenamtes wichtige und unverzichtbare Arbeit in allen Bereichen, die für die Bürgerinnen dieser Stadt relevant sind. Das Interesse unseres Bündnisses liegt hierbei natürlich beim Themenschwerpunkt ‚Gewalt gegen Mädchen und Frauen'.

Dass die Arbeit dieses Amtes jetzt so massiv beschnitten werden soll, halten wir für einen fatalen Fehler!

Durch seine mehrjährige Spitzenposition in der bundesweiten Kriminalstatistik (Rubrik ‚Vergewaltigungen und schwere sexuelle Nötigungen') erlangte Köln traurige Berühmtheit. Im November 2000 verabschiedete der Kölner Rat einstimmig die Resolution Keine Toleranz für Gewalt gegen Mädchen und Frauen und setzte damit ein deutliches Signal. Gewalt gegen Mädchen und Frauen geht uns alle an und hat viele Gesichter. Sie zu bekämpfen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Das Kölner Amt für die Gleichstellung von Frauen und Männern nimmt hier eine unverzichtbare Schlüsselposition ein. Die Mitarbeiterinnen des Amtes geben durch ihre Präsenz in allen städtischen Ausschüssen wichtige Anstöße in die Verwaltung hinein. Dadurch wird vor allem die strukturelle Benachteiligung und Diskriminierung von Mädchen und Frauen verhindert und so ihre Chancengleichheit etabliert. Nach außen sind die Mitarbeiterinnen für Kölner Bürgerinnen oftmals eine erste Anlaufstelle. Zudem initiieren sie öffentlichkeitswirksame Aktionen und Kampagnen und sind darüber hinaus in allen frauenrelevanten Arbeitskreisen vernetzt.

Die Grenzen der Kapazitäten dieses Amtes waren schon lange erreicht. Drastische Kürzungen oder gar Umstrukturierungen würden nicht nur die Arbeit der letzten Jahre und Jahrzehnte zunichte machen. Wir fürchten, dass sie auch die Ernsthaftigkeit all Ihrer persönlichen Aussagen in Bezug auf die tatsächliche Chancengleichheit von Männern und Frauen in Köln in Frage stellen könnten. Es besteht die Gefahr, dass Ihr bisheriges Engagement in weiten Kreisen der Stadt als reines Lippenbekenntnis aufgefasst wird.

Wir möchten Sie dringend bitten, die Arbeit des Amtes zur Gleichstellung von Frauen und Männern weiterhin aktiv zu fördern, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiterinnen weiter zu verbessern und auf jegliche Beschneidung und Kürzung in diesem empfindlichen Bereich zu verzichten. Gerade auch zur Umsetzung des Konzeptes des ‚Gender Mainstreaming' braucht Köln ein spezifisches Amt, das die Gleichstellungsfragen in der ganzen Gesellschaft und nicht nur in der Stadtverwaltung thematisiert. Oder wollen Sie sich den Ruf erwerben, nur noch der Oberbürgermeister einer Hälfte der Bevölkerung zu sein?

Mit freundlichen Grüßen,

Irmgard Kopetzky Barin Bhattacharyya

für den Vorstand des ‚Gemeinsam gegen Männergewalt an Frauen e.V.'

 

Heinz Alenfelder, Mitglied des SprecherInnen-Rats des Kölner Aktionsbündnis zum 25.11. - Gemeinsam gegen Männergewalt an Frauen mailt am 30.8.03 an den KStA:

Vielen Dank für Ihren Bericht über den öffentlichen Protest des Mädchenhauses, den ich als Vertreter des “Kölner Aktionsbündis zum 25.11. - Gemeinsam gegen Männergewalt an Frauen” ausdrücklich unterstütze. Gewalt gegen Frauen beginnt heutzutage in den Medien. Die simple Darstellung nackter Frauen ist dabei nur ein Teil des Problems, die angebliche “Verschleierung” offentlicher Nacktheit (sei es durch sog. Kleidung wie Tanga oder String oder auch durch Bodypainting, das Malen auf den nackten Körper) arbeitet viel subtiler. Bei bemalten, nackten Oberkörpern gibt es für die Männer etwas zu “entdecken”, der Reiz ist um vieles größer! Meine Erfahrung zeigt, dass mit diesem größeren Reiz bei einigen Männern die Gewaltbereitschaft steigt, wenn sie eine Frau “erobern” wollen. Im schlimmsten Fall wird der misshandelten Frau vom Richter im Vergewaltigungsprozess vorgeworfen, sie habe sich zu aufreizend gekleidet!
Insofern greift gesamtgesellschaftlich keineswegs die lächerliche Rechtfertigungssammlung der Agentur: ob 51 Minuten statt 4 Stunden, ob freiwillig oder durch die wirtschaftliche Lage gezwungen, ob 48 oder hundert nackter Frauen: das Alles spielt keine Rolle, soll der Männergewalt vorgebeugt werden.
Ich bin sicher, dass der 1.FC Köln, der unseren Verein vor 2 Jahren ebenso intensiv unterstützte wie die Ehefrau Ihres Herausgebers, Hedwig Neven-DuMont, die Bundesligafeier stilvoller und wesentlich frauenfreundlicher gestaltet hätte. So aber ist für mich erhärtet worden: Fussball ist und bleibt ein Männersport.

Reaktionen auf die Veranstaltung “Bundesliga-Jubiläum - Halb nackte Frauen...